Dienstag, 23. Februar 2016

Merkel schafft uns! (1)

Seit Monaten sehen die Bewohner unseres Landes zu, manche mit Zustimmung, die meisten mit immer häufigeren und stärkern Albträumen, wie die beste Demokratie, die Deutschland je hatte, zerstört und durch ein chaotisches, gesetzloses, „buntes“ Durcheinander ersetzt wird, in dem die Modalitäten des Zusammenlebens nach einer Anweisung aus dem Kanzleramt „täglich neu ausgehandelt” werden müssen.

Es soll niemand sagen, das wäre hinter unserem Rücken geschehen. Was vor unseren Augen geschieht, ist so geplant und auch veröffentlicht worden. Der Rechtsstaat soll ersetzt werden durch einen Zustand, der von Staatsministerin Aydan Özoğuz am 21.September 2015 in einem Strategiepapier formuliert wurde: „Wir stehen vor einem fundamentalen Wandel. Unsere Gesellschaft wird weiter vielfältiger werden, das wird auch anstrengend, mitunter schmerzhaft sein. Unser Zusammenleben muss täglich neu ausgehandelt werden.“

Dieses “täglich neu aushandeln müssen” hebelt den Rechtsstaat aus. Es ist ja gerade das Erfolgsmodell des Rechtsstaats westlicher Prägung, dass die Bürger in gesicherten Verhältnissen leben, die nicht täglich neu ausgehandelt werden müssen. Strategisches Ziel - oder bewusst eingegangener unvermeidlicher strategischer Kollateralschaden - nach dem vorgelegten Strategiepapier ist die Beendigung des Rechtsstaates und die Beseitigung einer der wichtigsten Errungenschaften europäischer Zivilisation, die sichere Abgrenzung der Spielräume jedes einzelnen Bürgers, von der Merkel- Regierung diktiert.

So lange Merkel Kanzlerin ist, so lange gibt es öffentliches Nachdenken darüber, von welchen Überzeugungen unsere Regierungschefin geleitet ist, die bei ihrer ersten Amtsübernahme mit dem Satz überraschte, sie wolle Deutschland dienen. Dabei ist völlig unwichtig, ob sie den Verstand verloren hat oder mit kühler Absicht handelt.

Viel gefährlicher als unsere Kanzlerin ist das Versagen der demokratischen Institutionen.

Der Bundestag, der eigentlich die Aufgabe hat, die Regierung zu kontrollieren, kommt seiner Aufgabe längst nicht mehr nach. Die Abgeordneten könnten ebenso gut zuhause bleiben, statt im Plenum wie zu unseligen Volkskammerzeiten die Vorlagen aus dem Kanzleramt abzunicken, oder eben darauf zu verzichten, wenn die Kanzlerin entscheidet, dass, wie in der so genannten Flüchtlingsfrage, nicht abgestimmt werden soll. Eine Opposition, die diesen Namen verdiente, gibt es nicht. Jeder Versuch des Widerspruchs oder auch nur der Nachfrage wird im Keim erstickt.

Dabei ist es nicht so, dass allen politisch Verantwortlichen die sich abzeichnenden katastrophalen Folgen der Merkelschen Politik verborgen blieben. Unser Vizekanzler Siegmar Gabriel, so hört man hinter vorgehaltener Hand aus dem Reichstag, soll im kleinen Kries gebarmt haben, die „Alte soll die Grenze endlich schließen“. Aber er handelt nicht, sagt öffentlich das Gegenteil und lässt die Steilvorlage für die eigene Kanzlerschaft ungenutzt.

Aus CSU- Kreisen gibt es immer mal wieder Ankündigungen, die Widerstand gegen die Merkel-Politik vorspiegeln sollen. Keine dieser Ankündigungen wurde auch nur ansatzweise umgesetzt. Man bekommt wachsend das Gefühl, dass es sich nur um Ablenkungsmanöver handelt, die mit Merkel abgesprochen sind, um die Bevölkerung temporär ruhig zu stellen.

Wie sehr der Bundestag nur noch ein Schattenparlament ist, wurde am vergangenen Mittwoch bei Merkels Regierungserklärung vor dem EU-Gipfel in Brüssel klar. Die Kanzlerin, die monatelang eine europäische Kontingent-Lösung als den ultimativen Ausweg aus der „Flüchtlingskrise“ verkündet hat, sagte plötzlich Europa (sic!) „würde sich lächerlich machen“, wenn es Kontingente beschlösse, obwohl nicht einmal der Beschluss zur Umverteilung von 160 000 Flüchtlingen umgesetzt sei.

Merkel demonstrierte damit, dass sie unter keinen Umständen gewillt ist, die Verantwortung für ihr Scheitern zu übernehmen. Sie kommt damit durch, weil es weder eine Opposition, noch Medien gibt, die sie an ihre Verantwortung erinnern.

In ihrer Rede hat Merkel auch klar gemacht, welches neue Pferd sie bestiegen hat. Ausgerechnet Rezip Erdogan soll nun ihr Rettungsanker sein. Sie wünsche sich, so die Kanzlerin dreist, dass man bald erkennen möge, dass „der türkische Weg“ der richtige sei. Schon einen Tag später stand sie in Brüssel im Regen, als der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu nicht erschien. Kurzerhand wurde dafür gesorgt, dass die Flüchtlingsfrage von der Tagungsordnung genommen wurde und der Gipfel sich nur mit Groß-Britanien beschäftigte. Wieder gab es dazu kaum kritische Kommentare in den Medien. Stattdessen mussten wir zur Kenntnis nehmen, an welcher Frittenbude Merkel ihren Hunger stillte. Dafür wird übergangen, welche Zugeständnisse Merkel an Erdogan gemacht hat.

Erinnern wir uns: Die Macht von Präsident Erdogan war nach der Juniwahl von 2015 ins Wanken geraten, die Kurdenpartei ins Parlament eingezogen, die Fortschrittspartei AKP hatte ihre Mehrheit verloren. Alles lief auf Neuwahlen hinaus und die Umfragen deuteten auf eine Wiederholung des Wahlergebnisses vom Juni hin. In dieser fragilen Situation, mitten im Wahlkampf,  fuhr Frau Dr. Merkel zu Erdogan und bescherte ihm durch Ihren Wunsch, die Außengrenze der EU quasi in die Türkei zu verlegen, medienwirksame Wahlkampfhilfe. Sie stellte lauter Dinge in Aussicht, die in der EU nicht abgesprochen waren. Visumfreiheit, weitere Verhandlungen über den EU-Beitritt und 3 Milliarden Euro. Erdogan gewann mit Merkels Hilfe die Wahl im November glanzvoll und als Folge tobt der Bürgerkrieg mit den Kurden.

Obwohl die Türkei immer tiefer in religiöse, nationale und internationale Konflikte abrutscht und deshalb als Pufferstaat gegen das syrische Chaos denkbar ungeeignet ist, hat Merkel bei ihrem jüngsten Besuch sogar, offenbar wieder unabgesprochen, Flugverbotszonen befürwortet, die sich in Libyen als verhängnisvoll erwiesen haben.

Niemand, weder die Oppostion, noch die Medien, hält Merkel vor, wie absurd unter diesen Umständen „der türkische Weg“ ist. Er ist nicht Ausweg aus dem Flüchtlingsdilemma, sondern nur Kennzeichen des Größenwahns von Merkel und Erdogan.

Auch das kommunistisch-rechtsnationalistische Griechenland hat sich als europäischer Partner längst disqualifiziert. Dass die Außengrenze der EU wieder auf Nicht-EU-Gebiet errichtet werden soll - nämlich in Mazedonien - spricht über die gescheiterte Merkelsche Europa- und Nahostpolitik Bände. Aber der Kanzlerin wird weiter erlaubt, zu dilettieren. Die Länder der Balkanroute haben nun beschlossen, die bei ihnen aufgelaufenen Einwanderer per Zug an die deutsche Grenze zu bringen. Tagtäglich strömen weiter tausende Menschen über unsere Grenze und die Verantwortlichen und Betroffenen verhalten sich, wie das Kaninchen vor der Schlange, in Schockstarre.

Jeder kann zu diesem Zeitpunkt wissen, dass die Merkelsche Politik in jedem Punkt gescheitert ist. Es wird auch keine Wunderwaffe geben, die uns aus dem Dilemma heraushilft. Da die Kanzlerin die Richtlinien bestimmt hat, muss sie endlich die Verantwortung dafür übernehmen. Wenn sie das nicht freiwillig tut, womit zu rechnen ist, muss sie zum Abtreten gezwungen werden. Bei den Landtagswahlen gibt es die Gelegenheit. Jede Stimme für die CDU ist eine Merkelstimme. Das sollte sich jeder klar machen, wenn er zur Wahlurne geht.

Quelle: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/merkel_schafft_uns_1

Politik, Meinungsfreiheit, Schule: Bericht eines Schülers

In dem Achse-Beitrag "Niedersächsischer Denunzianten-Stadl"  erfuhr ich, was passiert, wenn ein Lehrer die "falsche Meinung" vertritt. Mit diesem Artikel will ich einmal aus der Sicht eines Schülers schildern, wie sehr an Schulen versucht wird, die Schüler zu beeinflussen.

Ich bin Neuntklässler an einem württembergischen Gymnasium. Dort erlebe ich tagtäglich, wie Indoktrination von ideologisierten Lehrkräften an Schulen in großem Stile betrieben wird. Es fängt schon damit an, dass ein Chemielehrer, wenn er anstatt gelb, braun an die Tafel schreibt, sagt, er denke wohl schon wieder zu sehr an die AfD.

Aber es sind eben nicht nur solche kurzen Randkommentare. Im Gemeinschaftskunde-Unterricht wird beispielsweise zu Beginn der Stunde eine Folie auf den Tageslichtprojektor gelegt, auf der oben Wahlplakate der AfD und unten welche der NPD zu sehen sind. Dazwischen steht fett gedruckt: “Wo ist der Unterschied?”. Das vorhersehbare Ergebnis der Stunde lautet natürlich: Es gibt keinen.

Generell wird hier gelehrt, der böse amerikanische Kapitalist sei Schuld an allem Übel der Menschheit. Außerdem, daß Waffenexporte aus Deutschland die Kriege auslösen und ‘wir’ selbst schuld an ‘den Fluchtursachen’ seien, was Deutschland moralisch zur Aufnahme aller Flüchtlinge verpflichte.

In einer Ethikstunde wurde von einer Lehrerin erzählt, sie habe wirklich Angst davor, dass rechtsradikale Parteien wie die AfD, die ja Flüchtlingskinder erschießen wollten, durch Angst und Verblendung deutscher Bürger an die Macht kämen. Auf die Frage, was sie, wenn die deutsche Grenze illegal übertreten werde, tun würde, sagte sie lapidar, die Grenze werde nicht illegal überschritten und Waffen seien nie eine Lösung.

Als ich sie auf die mittlerweile in Deutschland verloren gehende Meinungsfreiheit hinweisen wollte und hinzufügte, dass es meiner Meinung nach kaum eine große Tageszeitung mehr gibt, die unvoreingenommen berichtet, mal ganz zu schweigen von staatlichen Medien, wurde ich von meiner Lehrerin lauthals darüber aufgeklärt, dass meine Aussagen die eines "fetten Arschlochs" seien und ich doch keine Ahnung hätte, was Meinungsfreiheit bedeutet.
Diese Auseinandersetzung zog sich, mit immer bizarreren Aussagen der Lehrerin, noch über eine ganze Doppelstunde hin, mit dem Ergebnis, dass sich meine mündliche Ethiknote sowie meine Verhaltensnote massiv verschlechtert haben. Die Lehrerin ließ mich wissen, sie sei “maßlos von mir enttäuscht”.
Vor einigen Tagen wurden an unserer Schule, anlässlich des deutsch-französischen Tages, Stellwände aufgestellt mit Schriftzügen wie “Terror kennt keine Religion” und in der großen Pause ein Rap in der Schulaula von den sechsten Klassen vorgetragen, dessen Aussage so viel bedeutet wie: “Keine Chance dem Fremdenhass und lasst die Grenzen weiter offen!”.

In meiner Klasse werde ich von opportunistischen Mitschülern immer öfter Nazi genannt, nicht zuletzt weil ich mir eine AfD-Kundgebung angeschaut habe. Durch diese AfD-Kundgebung fühlte sich das sogenannte “helle Deutschland” dazu verpflichtet, eine Gegendemonstration zu veranstalten. Diese “Zeichensetzung gegen Angst und Fremdenhass”, wurde unter anderem von dem evangelischen Dekan der Stadt und durch eine Lehrerin, die Teil der Schulleitung an unserem Gymnasium ist, eröffnet.

Dennoch wird mir im Ethikunterricht ganz klar gesagt, es gebe vollkommene Meinungsfreiheit in Deutschland. Es wird mir ebenfalls gesagt, die AfD sei eine undemokratische, rechtsradikale Partei und gehöre verboten.  Mein Einwand, dass die AfD bei  der "Elefantenrunde" des SWR vor der Landtagswahl nicht von den Altparteien zugelassen wurde und sich dies nicht mit Meinungsfreiheit verträgt, wurde mit der Aussage "Mit solch einer Partei darf man ja auch nicht sprechen!" kommentiert.

Egal, welches Fach man betrachtet. Sei es die Lateinstunde, in der der Lehrer die AfD als "Vollidioten" betitelt oder  die Englischlehrerin, die behauptet, es gebe ein Katastrophe, wenn die AfD "an die Macht" kommt.
Überall wird versucht, die Schüler zu beeinflussen und ihnen zu erklären, dass die AfD die Verkörperung allen Übels sei. Man muss als sich als Schüler im Jahre 2016 um seine Noten, sowie seinen Stand bei den Mitschülern Sorgen machen, wenn man nicht dem kollektiven Mainstream folgt.


Dieser Beitrag erschien zunächst als Leser-Kommentar auf der Achse des Guten. Christoph Schrön hat seinen Text noch einmal als Gastkommentar überarbeitet.

Quelle: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/politik_meinungsfreiheit_schule_der_bericht_eines_schuelers

Im Stich gelassen

Wenn es etwas gibt, das „typisch deutsch“ ist, dann ist es nicht das Oktoberfest, es sind nicht die „Meistersinger“ von Wagner und auch nicht Ausdrücke wie „Willkommenskultur“, „Trauerarbeit“ und „Zivilgesellschaft“. Es ist eine aggressive Form der Wehleidigkeit, der Wunsch, sich zum Opfer zu stilisieren, das seinen Nachbarn so viel Gutes angetan hat und dafür nichts als Undank erntet. Darum ging es auch in der letzten „hart aber fair“-Sendung mit Frank Plasberg: „Wohin mit den Flüchtlingen – lässt Europa uns im Stich?“ Und am heftigsten lassen „uns“ ausgerechnet die Staaten im Stich,  die uns am meisten verdanken, nämlich ein paar friedliche und erholsame Jahre unter deutscher Vormundschaft: Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn. Rolf-Dieter Krause, der seit gefühlten 1000 Jahren für die ARD aus Brüssel berichtet, brachte es auf den Punkt:

Und das ist ein Problem, das wir jetzt haben. Und ich sage, das ist gefährlich. Ich glaube, dass die Menschen, die da sitzen (zeigt ins Publikum), dass die deutschen Menschen, ganz normale, keine Journalisten, keine Politiker, die registrieren sehr genau, ob unser Land jetzt allein gelassen wird mit diesen Dingen oder nicht. Und dieses ist ein Land, das in Europa bisher immer solidarisch war, enormer-weise... Und die Folgen, die das hat, in unserem Land: Können sie sich vorstellen, dass eine deutsche Regierung es dann, wenn wir alleine bleiben, noch mal schaffen kann, vor ihren Wählern zu vertreten, dass die solidarisch ist gegenüber Ländern, die mit uns nicht solidarisch waren? Ich halte das für fast unmöglich. Und dann muss man sich überlegen, was das für Europa bedeutet...

Faszinierend zu beobachten, wie schnell ein bekennender Europäer zum Deutschen regrediert. Dabei lässt er unter den Tisch der eingeforderten Solidarität fallen, dass Deutschland mehr als jedes andere Land in Europa von der EU profitiert und sich zu einem Hegemon entwickelt hat. Und nun, da die anderen nicht mitmachen wollen bei der „fairen Umverteilung“ der Flüchtlinge, wird der Pate böse. Er droht damit, die Koffer zu packen und woanders hinzuziehen. Sollen doch die Europäer zusehen, wie sie alleine klarkommen!
Solidarität ist keine Einbahnstraße. Und Geisterfahrer, das sind immer die anderen.

Zuerst erschienen in der Zürcher Weltwoche

Quelle: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/im_stich_gelassen

Holger Douglas, Vorstand – Technik und Wissenschaft Flüchtlinge und Archäologie: Die Taliban von Niedersachsen

Denkmalschutzgesetz – Scheiß der Hund drauf. Archäologische Ausgrabungen – Blödsinn. Kulturdenkmäler – weg damit!

Daß »Sozen« Kulturbanausen sind, weiß man ja, und daß sie nicht mit Geld umgehen können, hat Helmut Kohl immer wieder betont. Aber daß sie so rüde über all das hinweg gehen und vom Tisch wischen, was mit Geschichte und kultureller Identität zu tun hat, verblüfft denn doch. Aufgeschrieen hat zwar nur die verhältnismäßig überschaubare Anzahl der Archäologen. Als vor kurzem der Niedersächsische Landtag im Eilverfahren ein Gesetz zur Erleichterung der Unterbringung von ausländischen Flüchtlingen durchpeitschte.

Auch hier zeigt sich wieder: Je aufgeblasener und grottenhafte der Name, desto unterirdischer der Inhalt. »Niedersächsisches Flüchtlingsunterbringungserleichterungsgesetz« – wer auf solchen Namen kommen kann, kann nur in irgendeinem unproduktiven Verwaltungsapparat hocken.

Das Gesetz hat jedenfalls das Ziel, die »Unterbringung von ausländischen Flüchtlingen die zuständigen Stellen durch befristete und auf diesem Zweck beschränkte Maßnahmen zu vereinfachen und zu beschleunigen«.

Dazu wird sogar schnell mal die niedersächsische Bauordnung geändert. Das Bauordnungsunwesen wird normalerweise nicht aufgehoben, wenn ehrbare Bürger ihr Heim erweitern wollen und sich mit einer unsinnigen Bürokratie herumplagen müssen. Jetzt aber gilt es, »Flüchtlinge« irgendwo unterzubringen. Fortan dürfen zum Beispiel Zelte oder Container mit höchstens zwei Geschossen in die Landschaft gesetzt werden, auch wenn dies zum Beispiel Denkmalflächen sind, auf denen Archäologen Ausgrabungen unternehmen.

Bisher mussten Kulturdenkmäler fachgerecht untersucht, geborgen und dokumentiert werden, wenn an dieser Stelle ein dringend benötigter Neubau geplant war. Der Bauherr musste die Kosten tragen. »Rot-grün« im Niedersächsischen Landtag in Hannover hat das diese Regelung jetzt ohne große Diskussionen vom Tisch gewischt: Denkmäler müssen vor der Zerstörung nicht mehr untersucht und geborgen werden, wenn dies die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften verzögern könnte.

Die Archäologen laufen Sturm: »Die deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF) und der Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland (VLA) haben ihre Ablehnung der Gesetzesänderung in ausführlichen Schreiben begründet. Die DGUF wirft der Landesregierung vor, mit der Gesetzesänderung gegen das europäische Übereinkommen zum Schutz des archäologischen Erbes zu verstoßen, das die Bundesrepublik 2002 ratifiziert hat. Darin hat sich die Bundesrepublik u.a. verpflichtet, dafür zu sorgen, dass zufällige Funde den Entdecker Behörden zu melden und ‚zu Untersuchungszwecken zur Verfügung zu stellen sind'.«

Deutschland verpflichtete sich weiterhin, »daß im Zuge von Erschließungsarbeiten gefundene Elemente des archäologischen Erbes soweit praktisch möglich an Ort und Stelle erhalten bleiben.«

Der Verband der Landesarchäologen hat sich in einem Brief an den Ministerpräsidenten weil gegen diesen Entwurf ausgesprochen. Der Vorsitzende Professor Dr. Michael Rind, äußerte zwar grundsätzliche Verständnis für die Bemühungen der Bundesländer, die Unterkunftfrage für Flüchtlinge möglichst schnell und effektiv zu lösen. Er übte aber grundsätzliche Kritik an der in Paragraph 5 des Gesetzes geplanten Regelung, das Verursacherprinzip außer Kraft zu setzen und damit die undokumentierte Zerstörung von archäologischen Denkmalen zu legitimieren.

Kulturelle, archäologische oder historische Belange zählen nicht mehr. Schon extrem krankhaft, wenn dann die fleißigen rot-grünen Gesetzesschreiber tatsächlich die Formulierungen hineinfließen lassen, daß dennoch die Auswirkungen auf die Umwelt und auf die Verwirklichung der Gleichstellung von Frauen und Männern, auf Familien sowie auf die Belange von Menschen mit Behinderungen berücksichtigt werden sollen.

Und eine SPD-Abgeordnete Lesemann, die selbst Historikerin sein will, schreibt an die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte: »Die derzeitige Situation machte es erforderlich, unkonventionelle Maßnahmen wie diese zu ergreifen. Ich hoffe, dass Sie die von uns vorgenommene Wägung nachvollziehen können.«

Das können die Wissenschaftler nicht und weisen daraufhin, daß es in Niedersachsen genügend »archäologiefreie« Flächen gebe, auf denen »Flüchtlingsheime« ohne jeden Konflikt mit dem Denkmalschutz errichtet werden könnten. Was zählen Kultur und Denkmalschutz; die Verwaltungen scheinen in einem solch hohen Panik-Modus zu sein, daß Kultur nichts erzählt.

Immerhin: Den Flüchtlingen droht dann kein allzu großer Kulturschock. Das kennen sie ja bereits von den Taliban, die nach einer Eroberung möglichst schnell alles in die Luft sprengen, was auch nur in geringer Weise auf ein Kulturdenkmal hindeutet.

Quelle: http://www.deutscherarbeitgeberverband.de/klartextfabrik/2016_02_22_dav_klartextfabrik_fluechtlinge.html

Montag, 22. Februar 2016

Mosche Jaalon und Frank-Walter Steimeier: An ihrer Sprache werdet Ihr sie erkennen

Dieser Tage erschien ein Interview in DIE WELT mit dem israelischen Verteidigungsminister Mosche Jaalon. Es war nicht nur interessant, was er sagte, sondern vor allem auch, wie er es sagte.

Auf die Frage „Wie schätzt man in Israel die Lage in Syrien ein?“ antwortete er:  

„Syrien wird nach unserer Einschätzung noch auf sehr lange Zeit chronisch instabil bleiben. Man kann aus einem Ei ein Omelett machen, aber kein Ei aus einem Omelett. Die Idee, man könnte Syrien noch einmal vereinen, ist pures Wunschdenken.“

Diese Antwort ist nicht nur klar und präzise, sondern gefällt auch wegen des anschaulichen und obendrein von einer gewissen Ironie geprägten Sprachbildes. Diesen Politiker versteht auch derjenige, der sich mit dem Thema wenig befasst, und man hört ihm sogar gerne zu.

Vergleichen wir damit einmal eine Aussage unseres Außenministers Frank-Walter Steinmeier zum gleichen Thema:

„Wir brauchen eine Allianz all derjenigen, die ihren Teil der syrischen Gesellschaft vertreten, die de facto Macht ausüben, die Grundsätze des Wiener Prozesses respektieren und dafür bereit sind, ihren Kampf untereinander im Zuge der Genfer Verhandlungen einzustellen.“

Was will uns Steinmeier mit dieser Antwort sagen? Die Sache ist kompliziert? Das kann man besser sagen, siehe oben. Oder will er die eigene Bedeutung unterstreichen, indem er eine komplizierte Sache noch komplizierter ausdrückt?
Die Sprache zeigt auch immer , was der Sprecher denkt und wie er die Welt versteht. Mosche Jaalon scheint mir jemand zu sein, der wert darauf legt, dass ihn auch andere verstehen. Dafür nimmt er eine Metapher aus dem Alltag, die jedermann sofort einleuchtet.

Frank-Walter Steinmeier scheint im Gegensatz dazu keinerlei wert darauf zu legen, dass normale Menschen ihn verstehen. Er wirft Nebelkerzen, um die Banalität seiner Beschreibungen zu kaschieren. Er will dem Zuhörer offenbar klar zu machen: Du verstehst davon nichts aber ich, und zwar weil ich über so etwas wie höheres Geheimwissen verfüge. Vordergründig geht es um Syrien, hintergründig geht es darum, die eigene Bedeutung herauszustreichen.
Ein weiteres Beispiel:

Die Welt fragt Verteidigungsminister Mosche Jaalon: „Es gibt das Argument, dass der Iran-Deal die Flüchtlingswelle verstärkt hat - weil die Hoffnungen der Sunniten dadurch enttäuscht wurden. Glauben Sie, da ist etwas dran?“
Dessen Antwort lautet:

„Sie können mich gern anrufen, wenn McDonald's in Teheran eröffnet. Keine Chance. Das ist pures Wunschdenken.“

Nehmen wir jetzt im Vergleich dazu eine Aussage Frank-Walter Steinmeiers zu den Verhältnissen in Teheran:

"Historisch ist die Einigung, erstens, allein aufgrund der zeitlichen Ausdehnung dieses drei Jahrzehnte dauernden Konfliktes und eines Verhandlungsprozesses, der nach über zwölf Jahren jetzt an sein Ende gelangt ist. Historisch, zweitens, weil diese Einigung weit in die Zukunft hinein Weichen stellen könnte für eine bessere Zukunft einer zutiefst unfriedlichen Region."

Während der Israelische Politiker ziemlich klar und verständlich seine Meinung sagt, ergeht sich sein deutscher Kollege erneut in einer wabernden Bedeutungshuberei und zündet rhetorische Nebelkerzen.

Die Sprache einer Person verrät immer viel über deren Welt- und Eigensicht, über die Präzision ihres Denkens und ihre intellektuellen Qualitäten. Der Vergleich zwischen dem israelischen und dem deutschen Politiker wirft somit ein Schlaglicht auf die Qualität unseres politischen Personals. Der Unterschied zwischen Jaalon und Steinmeier spricht  Bände.

Quelle: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/mosche_jaalon_und_frank_walter_steimeier_an_ihrer_sprache_werdet_ihr_sie_er

Zivilcourage und die ganze Härte der Gesetze

Wohl dem, der eine Oma hat. Meine Oma war lebensklug und drückte das in einer Unmenge von weisen Sprüchen aus. Die meisten davon haben sich bei mir dauerhaft eingebrannt und spuken munter in meinem Kopf umher. Einer davon war: „Trau keinem Pfaffen, keinem Rechtsverdreher und keinem Regierenden“. Meine Oma sagte geradeheraus, was sie meinte.

An diesen drastischen Spruch wurde ich erinnert, als ich feststellte, dass unsere Kanzlerin eine Pfarrerstochter und Politikerin ist und unser Bundespräsident ein Pfarrer und auch ein Politiker - so erfüllen sie beide zwei Kriterien meines Omaspruches. Zu den „Herausforderungen“, die uns diese beiden klerikal Regierenden aufnötigen, gehört auch ihre oftmals wiederholte Forderung nach „mehr Zivilcourage“.

Es gibt fast keinen Politiker mehr, der angesichts der um sich greifenden Gewalt nicht nach mehr Zivilcourage der Bürger ruft. Courage, aus dem Französischen „der Mut“ bedeutet nicht das Fehlen von Furcht, sondern das Handeln trotz dieser. Wie edel, wer könnte sich dem verschließen?

Schon 2010 forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von den Bürgern mehr Zivilcourage und Wachsamkeit: "Wir brauchen wachsame Bürgerinnen und Bürger, und wir brauchen die richtigen Mittel zur Bekämpfung von Kriminalität. … Wir brauchen Polizistinnen und Polizisten, aber wir brauchen genauso Bürgerinnen und Bürger mit Zivilcourage. Lassen Sie uns alles dafür tun, damit unser Land noch sicherer wird. Siehe hier.

Dann 2012 folgt der frischgekürte Bundespräsident Joachim Gauck und fordert:  Vor dem Roten Rathaus brennen weiterhin die Kerzen zum Gedenken an das Opfer Johnny K., und auch drinnen im Großen Festsaal ist die Gewalttat von vergangener Woche an diesem Montagvormittag eines der bestimmenden Themen beim offiziellen Antrittsbesuch des neuen Bundespräsidenten beim Regierenden Bürgermeister. „Ich wünsche mir mehr bürgerschaftliches Engagement gegen Gewalt“, sagt Joachim Gauck vor rund 200 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Bei Fällen wie dem aktuellen, in dem ein 20-Jähriger nur wenige Meter vom Rathaus entfernt totgeschlagen wurde „geht es um einschreiten“, sagt Gauck. Die Gesellschaft müsse „Strategien gegen Gewalt“ finden, die Menschen müssten „weiter Entschlossenheit zeigen, Gewalt nicht zu tolerieren“.

 Die Lage spitzt sich zu. Fordert doch 2015 auch Bundesjustizminister Heiko Maas (er erfüllt zwei Oma-Kriterien - er ist Anwalt und Politiker): „Angesichts einer steigenden Zahl von Angriffen auf Flüchtlingsheime rufe ich die Deutschen zu mehr Zivilcourage auf. Wir brauchen einen Aufstand der Anständigen“.
Er ruft auf, mit einem feinen Unterschied: Zivilcourage ja, aber nur gegen Fremdenfeindlichkeit. So viel Zeit muss sein. Und die Unanständigen müssen sitzen bleiben.

Wer nicht das Glück hatte, mit weisen Omasprüchen aufzuwachsen, könnte nun auf die Idee kommen, dass es die Regierenden ernst meinten mit ihren Aufforderungen zur Zivilcourage. Er könnte versucht sein, den „Herausforderungen“ gerecht zu werden. Wehe ihm, er hätte den Falschen vertraut. Und es könnte passieren, dass er die Welt nicht mehr versteht.
Ein paar Illustrationen zu meiner steilen These:

Uwe W. muss 600 Strafe zahlen, weil er sich in der U-Bahn-Station für zwei von einem Mann bedrängte Frauen eingesetzt hat. In der Nacht zum 10. November sitzt Uwe W. im U-Bahnhof Implerstraße. Zwei Frauen werden von einem Mann verfolgt. Der Mann schlägt mit einer Bierflasche einer Frau gegen die Schläfe. Die 48-Jährige sinkt zu Boden. … Der Schläger will sich aus dem Staub machen, aber Uwe W. hält ihn fest. Im Gerangel schlägt der Täter mit einer Faust gegen die Brust von Uwe W. In der anderen Hand hat er noch die Bierflasche. Uwe W. gibt dem Schläger einen Schubs und dieser fällt auf die Gleise. Uwe W. kümmert sich um die niedergeschlagene Frau, ein anderer Mann zieht den Schläger aus den Gleisen heraus.

Ingrid Kaps, Pressesprecherin des Münchner Amtsgerichts erklärt: „Man kann auf den Videoaufnahmen erkennen, dass es nicht notwendig war, den Kläger auf die Gleise zu stoßen". Dafür muss Uwe W. nun wegen gefährlicher Körperverletzung 600 Euro Strafe zahlen. …  "40 Tagessätze sind für eine solche Tat recht wenig", erklärt die Pressesprecherin. Denn die Zivilcourage des Münchners sei als "sehr löblich" berücksichtigt worden. Aber Uwe W. ist nun vorbestraft.

Das Amtsgericht hat einen 22-jährigen Ludwigsburger zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, weil dieser im Juni 2015 in der Ludwigsburger Innenstadt einen Menschen verletzt hat. Dass er dabei quasi in Notwehr handelte, ließ die Richterin unbeeindruckt, obwohl sogar die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer einen Freispruch gefordert hatte.

Der Helfer war Mitte Dezember sogar in Untersuchungshaft genommen worden. Vor dem Haftrichter hatte er betont, dass er nur eingeschritten sei, um Schlimmeres zu verhindern. „Auch er glaubte mir nicht.“ Der Helfer saß mehrere Wochen in Untersuchungshaft

Die Beweisaufnahme hat zweifelsfrei ergeben, dass der Angeklagte versucht hat, einem hilflosen Mann beizustehen, als dieser spätnachts von einer Gruppe stark alkoholisierter Jugendlicher attackiert wurde. Der Mann war vor der Gaststätte „Kanone“ niedergeschlagen und schwer verletzt worden. Während er auf dem Boden lag, wurde weiter getreten - woraufhin der Angeklagte einschritt, die Angreifer wegschubste und das Opfer aus der Gefahrenzone brachte. Bei dieser Aktion habe er um sich geschlagen und auch jemanden getroffen, erklärte er vor Gericht. „Aber das war nie meine Absicht. Ich wollte helfen und hatte Angst, dass der auf dem Boden stirbt, wenn die alle weiter auf ihn eintreten.“

Dem Angeklagten wurde zum Verhängnis, dass einer der Jugendlichen, die er bei seiner Rettungstat zur Seite gestoßen hat, dabei einen Kiefernbruch erlitt. Zahlreiche Zeugen stützen die Aussagen des Angeklagten. Auch das Opfer, der Mann aus Remseck, schilderte vor Gericht ausführlich, wie ihm der Angeklagte zur Hilfe geeilt sei. Die Staatsanwältin und die Verteidigerin kamen daher zu dem Ergebnis: Der 22-Jährige habe in einer Nothilfe-Situation gehandelt. Dass er dabei jemanden verletzte, sei nicht zu bestrafen.

Die Richterin kam zu einem anderen Schluss. Sie verurteilte den 22-Jährigen wegen fahrlässiger Körperverletzung zu drei Monaten und zwei Wochen Gefängnis auf Bewährung. Der Angeklagte ist somit vorbestraft, und es ist denkbar, dass er in einem Zivilprozess von den Tätern auf Schadensersatz verklagt wird. …
Das sind nur zwei Beispiele der beispiellosen alltäglichen Umkehr der Täter – Opfer – Beziehung vor deutschen Gerichten. Während die Täter kichernd den Gerichtssaal verlassen, finden sich Helfer auf der Anklagebank wieder.
Langsam wird klar, was Kanzlerin und Bundespräsident gemeint haben, als sie „mehr Zivilcourage“ von ihren deutschen Untertanen einforderten: nur nicht dem Täter eins auf die Mütze hauen. Das ist wie Waffengewalt an der Grenze, wie ein Schießbefehl an die Faust. Wenn man als Einzelner gegen aggressive Schläger antritt, gilt es millimetergenau abzuwägen - niemand darf deutlicher gehauen werden, als man selbst abbekommt. Verbalattacken gegen Fremde eskalieren die Situation und sind strafwürdig. Sich als Bürger zu wehren ist fast wie die Gründung einer Bürgerwehr.

Zivilcouragierte Helfer müssen gefälligst nach europäischen Lösungen der Krise suchen. Auch vor der Gaststätte Kanone in Ludwigsburg oder in der Münchener U-Bahnstation Implerstrasse. Auch bei Nacht und Nebel. Das sind sie eben, die neuen Herausforderungen: „es bleibt ein langer, schwerer Weg zu gehen“ (Merkel am 19.03.2015). Wer ihn gehen muss, hat sie nicht gesagt.

Dominik B., Johnny K., Tugçe A., Frank J., Joey K., Burkan I, … und das sind nur einige der ins Koma, zum Krüppel oder in den Tod Geschlagenen - wer erinnert sich noch an all die Namen?

Sie sind die Opfer der Zivilcourage im neuen bunten Deutschland.  Sie sind nicht nur Opfer von Unmenschen, sondern auch von Gutmenschen, die Zivilcourage fordern und dann die Couragierten im Stich lassen.

Noch so ein Spruch von meiner Oma klärt hier vieles auf: „Auf hoher See und vor Gericht bist du in Gottes Hand“. Die hohe See hatte sie nie gesehen. Der liebe Gott war sehr beschäftigt. Mit ihrem Spruch meinte meine Oma ausschließlich die korrupten Richter, mit denen sie ihre Erfahrung hatte.

Heute heißt der Spruch zu gut Deutsch: „Zivilcourage lohnt sich nicht“. Sie wird von den Pfaffen, Rechtsverdrehern und Regierenden gefordert aber nicht gefördert.

Quelle: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/zivilcourage_und_die_ganzen_haerte_der_gesetze
Deutschland sollte seine Grenzen schließen und an alle muslimischen Länder der Welt appellieren, Flüchtlinge aufzunehmen. Syrer sind keine Frischzellenkur für darbende deutsche Gemeinden. Von Henryk M. Broder

Altena liegt etwa 100 Kilometer östlich von Düsseldorf, 15 Kilometer nördlich von Lüdenscheid und ebenfalls 15 Kilometer südlich von Iserlohn. Mitten im Sauerland also. Aber das ist nicht das Problem. Seit 1970 hat die Stadt fast die Hälfte ihrer Einwohner verloren, deren Zahl ist von 32.000 auf 17.000 zurückgegangen.

Jetzt soll der Verlust mithilfe von Flüchtlingen aufgefangen werden. Für die Serie "Wie viele Flüchtlinge verträgt meine Stadt?" ist ein Reporter des ZDF-"Länderspiegel" nach Altena (Link: http://www.welt.de/150224480) gereist. Dort hat der Bürgermeister der Gemeinde, Andreas Hollstein, mitten auf dem Wochenmarkt einen Info-Stand aufgebaut.

Er erklärt, warum die Stadt 100 Flüchtlinge mehr aufnehmen will, als sie muss. "Wir haben sehr viele Menschen verloren und haben dadurch natürlich viele Leerstände und konnten damit Menschen aufnehmen. Wir haben gesagt, okay, wenn wir die Wohnungen haben, warum sollen wir nicht mit den Menschen etwas versuchen und die Menschen dann hier nicht nur willkommen heißen, sondern diese Menschen hier integrieren."

Derzeit leben 490 Flüchtlinge in Altena, die Hälfte von ihnen unter 25, "junge Leute, die das Schrumpfen der Stadt mit aufhalten sollen", sagt der ZDF-Reporter. Viele in Altena trügen das mit. "Es ist eine schöne Chance für unsere Schulen und Kindergärten und Belebung von unserem normalen Umfeld", sagt eine Einwohnerin mittleren Alters.

Modell Altena?

"Ich find' das schön", meint eine junge Frau. "Ich finde das toll, dass man sich für solche Leute einsetzt, und daher habe ich nichts dagegen." Die Flüchtlinge würden "dezentral in Wohnungen untergebracht, das schafft gleich Nähe zum deutschen Nachbarn". Freiwillige "Kümmerer" übernehmen die Betreuung, erklären, "wie das Leben in Deutschland geht". Dazu gehört auch, "wie eine Rotlichtlampe funktioniert".

Vier "Jungs aus Afghanistan" renovieren zusammen mit einem deutschen Helfer ein Haus, "in dem bald Flüchtlinge leben sollen". Dafür bekommt jeder einen Euro die Stunde. Andreas Hollstein, der Bürgermeister, sieht Altena auf dem richtigen Weg. "Wir haben geburtenstarke Jahrgänge, die auf die Rente zugehen, dann fehlen hier die Facharbeiter, und im Handwerk werden Menschen fehlen und auch in der Dienstleistung, und wir können sehr froh sein, wenn wir in Deutschland und in Altena diese Lücken im Rentensystem und auch im Sozialsystem mit gut integrierten Flüchtlingen schließen können."

Es ist in der Tat schön, dass die Menschen in Altena, wie überall in Deutschland, helfen wollen. Die Frage ist nur: Wem wollen sie helfen? Den Flüchtlingen oder sich selbst? Können Flüchtlinge eine Art Frischzellenkur für darbende Gemeinden sein? Geht es um Mitgefühl, um praktizierte Nächstenliebe oder um eine philanthropisch verbrämte Geschäftsidee?

Wenn die Flüchtlinge, die demnächst in das von Flüchtlingen renovierte Haus einziehen, ihrerseits dazu angehalten werden, weitere Häuser zu renovieren, in die ebenfalls Flüchtlinge einziehen sollen, dann wird Altena in kurzer Zeit runderneuert und der Leerstand beseitigt sein.

Wenn Flüchtlinge Mütter, Großväter und Bräute nachholen

Aber es wird kaum noch jemand da sein, der die Steuerleistung aufbringt, um all die "Integrationsmaßnahmen" zu finanzieren. Spontane Hilfsbereitschaft kann auch sehr kurzsichtig sein. Mit beispielhafter Offenheit gibt der Bürgermeister von Altena zu, dass die Stadt Facharbeiter, Handwerker und Menschen "in der Dienstleistung" braucht, damit die Lücken im Renten- und Sozialsystem geschlossen werden.

Was passiert aber, wenn einer der jungen, arbeitsfähigen und auch arbeitswilligen Männer nicht nur seine Frau und seine Kinder, sondern auch seine Eltern und Großeltern nachholen möchte? Werden die Bürger von Altena das auch "schön" und "toll" und eine "Belebung von unserem normalen Umfeld" finden? Oder wird ein Sachbearbeiter der Stadtverwaltung von Altena dem jungen Mann sagen: "Nun übertreib mal nicht. Wir haben dich aufgenommen, damit du hilfst, die Lücken im Renten- und Sozialsystem zu schließen, nicht um sie noch größer zu machen!"

Das geht nicht. Entweder man hilft aus humanitären Gründen (und aus schlechtem Gewissen, weil man es versäumt hat, rechtzeitig dafür zu sorgen, dass keine Massenflucht einsetzt), dann dürfen Kosten keine Rolle spielen, dann darf es in der Tat keine "Obergrenze" geben, oder man holt gezielt Facharbeiter, Handwerker und Dienstleister ins Land, die man zuhauf in Spanien und in Griechenland findet, wo die Arbeitslosigkeit, je nach Altersgruppe, zwischen 25 und 50 Prozent liegt. Diese Menschen dürften auch leichter zu integrieren sein als "Schutzsuchende", denen man erst einmal die Grundregeln einer Gesellschaft erklären muss, in der es nicht auf den Glauben, sondern auf die Gleichheit vor dem Gesetz ankommt.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass "Hilfsbereitschaft" mit demselben Buchstaben anfängt wie "Hysterie" und "Heuchelei". Die Unterscheidung zwischen "Wirtschaftsflüchtlingen", die man abschieben will, und Asylsuchenden, die eine Chance bekommen sollen, ist ebenso willkürlich wie die zwischen einem "sicheren" und einem "unsicheren" Herkunftsland.

Weil Saudi-Arabien als ein sicheres Herkunftsland gilt, hat es die Bundesregierung bislang unterlassen, Raif Badawi (Link: http://www.welt.de/themen/raif-badawi/) Asyl anzubieten, jenem Blogger, der wegen "Beleidigung des Islams" zu 1000 Stockhieben und zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Er gilt nicht als ein politisch Verfolgter. Und dieselbe Kanzlerin, die eisern an ihrem Kurs der offenen Grenzen festhält, macht sich zur Fürsprecherin einer Drehtür-Politik. "Wir erwarten, dass, wenn wieder Frieden in Syrien ist und wenn der IS im Irak besiegt ist, dass ihr auch wieder, mit dem Wissen, was ihr jetzt bei uns bekommen habt, in eure Heimat zurückgeht", machte sie vor Kurzem den "Geflüchteten" klar.

Die sollen sich also zuerst integrieren, um dann in ihre Heimat abgeschoben zu werden. Das ist eine extrem attraktive "Bleibeperspektive". Die paar Jahre zwischen ihrer Ankunft in einer Erstaufnahmeeinrichtung und ihrer Abschiebung campieren sie in Turnhallen, ehemaligen Baumärkten und Container-Siedlungen.

Während Bundesregierung und Bundestag ein Gesetz nach dem anderen beschließen, um die Lage, die ihnen längst entglitten ist, in den Griff zu bekommen und die Bundesagentur für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Tausende von "Entscheidern" in Schnellkursen ausbildet, die von Montagfrüh bis Freitagabend Gott mit Stempelkissen spielen. Derweil der deutsche Innenminister nach Afghanistan fliegt und dort an die jungen Menschen appelliert, im Lande zu bleiben und beim Wiederaufbau zu helfen, statt sich auf den weiten Weg nach Deutschland zu machen.

Ratschlag an die Kanzlerin

Das alles ist nicht mehr absurd, es ist nur noch irre, unverantwortlich und in einem Maße zynisch, dass man staunen muss, dass nicht jeden Tag jemand Amok läuft.

Was muten wir eigentlich den Flüchtlingen zu, nur damit wir uns damit brüsten können, Weltmeister der Herzen zu sein? Besser als die Franzosen und die Schweden und auf einer viel höheren moralischen Umlaufbahn als die Polen und die Tschechen, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen. Wir aber nehmen sie auf und bringen sie in "Einrichtungen" unter, die nur aus Gründen, die in der Vergangenheit liegen, nicht "Lager" genannt werden. Die Zustände in diesen Lagern sind "problematisch". Frauen, Kinder, Schwule und Christen müssen besonders geschützt oder separat untergebracht werden; sie sind es, die den Preis für unsere grenzenlose Gastfreundschaft bezahlen.

Es ist nicht mein Job, mir den Kopf der Kanzlerin zu zerbrechen. Ich will es ausnahmsweise tun, weil ich es unerträglich finde zuzusehen, wohin die Reise geht.

Zweierlei müsste getan werden, sofort. Erstens: Die Grenzen müssten geschlossen werden. Wer drin ist, darf bleiben, wer draußen ist, bleibt draußen.

Wenn man sich wirklich um die mehr als eine Million Asylbewerber, Flüchtlinge oder Schutzsuchende kümmern will, die bereits im Land sind, sollte man dafür sorgen, dass die Zahl nicht größer wird. Jedes Schulkind, das mit seinen Hausaufgaben im Rückstand ist, muss erst einmal diese abarbeiten, bevor ihm neue aufgelegt werden. Nicht nur die Sachbearbeiter im BAMF brechen unter der Last der Anträge zusammen.

Zweitens: Die Vorstellung, man könnte die Hälfte oder zwei Drittel der Zugewanderten dorthin zurückschicken, woher sie gekommen sind, oder in ein Land abschieben, das bereit wäre, sie aufzunehmen, ist gemein, teuer und nicht praktikabel. Es würde Jahre dauern und Milliarden kosten, die Menschen ohne Bleibeperspektive "auszuschaffen", wie die Schweizer diesen Vorgang nennen.

Abgesehen davon, dass es mehr als unanständig ist, Menschen anzulocken, sie durch die Mühlen der Bürokratie zu jagen und dann zurückzuschicken wie ein Paket von Zalando. Das geht nicht.

Mit der Grenzschließung und dem Verzicht auf Abschiebungen könnte das Problem überschaubar gemacht werden. Die Bürokratie wäre entlastet, die Politik könnte durchatmen und in Ruhe über weitere Schritte nachdenken. Vielleicht käme die Kanzlerin dann auf die Idee, die Vertreter der 21 Staaten der Arabischen Liga zu sich ins Kanzleramt einzuladen und mit ihnen ein wenig zu plaudern, so wie sie gerade mit George Clooney (Link: http://www.welt.de/152198973) geplaudert hat. "Meine Herren", würde die Kanzlerin sagen, denn es wären ganz bestimmt keine Damen dabei, "darf ich Sie in aller Freundschaft darauf hinweisen, dass bis jetzt nur zwei von Ihnen, Jordanien und der Libanon, eine wesentliche Anzahl von Flüchtlingen aufgenommen haben?

Wo bleibt die islamische Solidarität?

Saudi-Arabien hat angeboten, den Bau von 200 Moscheen in Deutschland beziehungsweise Europa zu finanzieren, aber wir halten das für keinen geeigneten Beitrag zur Beilegung der Flüchtlingskrise. Viel besser wäre es, wenn die saudi-arabische Regierung die Zeltstädte rund um Mekka, die für Pilger gebaut wurden und elf Monate im Jahr leer stehen, für die Flüchtlinge öffnen würde. Der Islam ist doch nicht nur eine Religion des Friedens, er ist auch eine Religion der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe, oder irre ich mich?"

Als Nächstes sollte die Kanzlerin die Vertreter der Organisation für islamische Zusammenarbeit zu sich bitten, in der 56 Staaten organisiert sind, "in denen der Islam (Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Islam) Staatsreligion, Religion der Bevölkerungsmehrheit oder Religion einer nennenswerten Minderheit ist" (Wikipedia), eine ähnliche Rede halten und dabei darauf hinweisen, dass die Türkei immerhin über zwei Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen hat.

"Wo bleibt die islamische Solidarität?", könnte die Kanzlerin fragen, "warum muten Sie Ihren Brüdern und Schwestern die weite und gefährliche Reise nach Europa zu, statt ihnen eine Zuflucht zu bieten? Sind Abu Dhabi, Baku, Islamabad, Marrakesch und Taschkent nicht schöner als Altena im Sauerland?"

Quelle: http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article152256557/Wo-bleibt-die-islamische-Solidaritaet-fuer-Fluechtlinge.html