Verbot von sexistischer Werbung - Wie bei den Taliban!
Keine nackte Haut, keine Hausfrauen: Das Bezirksparlament in Friedrichshain-Kreuzberg will Plakate mit sexistischer Werbung verbieten. Harald Martenstein erinnert dieser Plan an Nordkorea - und das Afghanistan der Taliban.
Das Bezirksparlament von Friedrichshain-Kreuzberg ist berühmt für originelle Ideen. Die neueste: Sie möchten sexistische Werbung verbieten. Ein entsprechender Antrag von Grünen, Piraten, Linkspartei und SPD liegt vor, angesichts der Mehrheitsverhältnisse gibt es wenig Zweifel an seiner Verabschiedung.
Das Bezirksamt soll Werbeplakate verhindern, auf denen die Gleichwertigkeit der Geschlechter infrage gestellt wird, männliches Dominanzgebaren, zum Beispiel im Baumarkt oder beim Kauf eines BMW, nicht kritisch dargestellt wird, auf denen Körper „unangemessen dargestellt“ sind und – obwohl das nicht direkt etwas mit Sexismus zu tun hat – Ausbeutung aller Art nicht kritisch reflektiert wird.
In der Begründung heißt es, dass in Zukunft Werbung nur noch legal sein darf, wenn sie den politischen „Idealen eines emanzipierten, bewussten und nachhaltigen Lebens“ entspricht. Dass Werbung auf politische Ideen verpflichtet wird – so was gibt es bisher höchstens in Nordkorea. Die Formulierung „unangemessene Darstellung von Körpern“ dagegen könnten sie aus dem Programm der Taliban übernommen haben.
Was mich gewundert hat: Es sollen auf den Kreuzberger Plakatwänden auch keine Bilder von Hausfrauen mehr erlaubt sein. Die Körper von Hausfrauen sind in der Werbung ja meist angemessen bekleidet. Aber dadurch, heißt es auf der Homepage des Bezirksamtes, würden Heranwachsende mit „Rollenklischees konfrontiert werden“. Wenn Mädchen und Frauen Bilder von heterosexuellen Hausfrauen sehen, dann habe dies zur Folge, dass sie „sich selbst nicht außerhalb dieses Rahmens vorstellen können“.
So doof sind Mädchen nicht
Das ist seltsam. Wenn es um die Darstellung von Homosexualität geht, etwa in der Schule, dann sagen die Homophoben exakt das Gleiche. Sie sagen: Wenn man die Kinder im Unterricht mit Homosexualität in Berührung bringt, dann werden deswegen später viele von ihnen homosexuell. Es stimmt nicht, es ist Unsinn. Aber genau den gleichen Unsinn, nur anders herum, verzapfen sie jetzt in Kreuzberg. Zeige einem Mädchen Bilder von einer Hetero-Hausfrau, und sie wird eine Hetero-Hausfrau. Das ist diskriminierend. So doof sind Mädchen meines Wissens nicht. Abgesehen davon – warum soll sie das nicht dürfen, wenn sie möchte? Ich bin für Vielfalt. Ich bin dagegen, dass man Hausfrauen verbietet. Es ist auch schwer zu kontrollieren, das hat man bei der Prohibition in den USA gesehen. Da entsteht in Kreuzberg ein Untergrund, wo Frauen in Kellerlokalen heimlich heterosexuell sind, mit Rolf Eden Eierlikör trinken und heimlich Staub wischen. Tagsüber tun sie so, als seien sie ganz normale Kreuzberger Kifferinnen. Andererseits wären diese illegalen Hetero-Hausfrauen-Kneipen natürlich ein weiteres Kreuzberger Touristenziel.
Dieser Artikel erscheint im Kreuzberg Blog, dem hyperlokalen Online-Magazin des Tagesspiegels.
ZENSIERT! Der 10-Punkte-Plan aus Kreuzberg (Auszüge)
Verboten ist laut Kreuzberger Arbeitsgruppe Werbung, … 1. … die vermittelt, dass Frauen zwar schön sind, aber dumm bzw. nicht so strategisch wie heterosexuelle, gesunde Männer. 2. … in der die Frau kaum oder sehr körperbetont bekleidet und ohne Anlass lächelnd inszeniert wird. 3. … in der sich die Frau in ihrer Position unter dem Mann befindet. 4. … die bestimmte Rollenbilder vermittelt. Betrifft auch Kinder, die als stereotype Jungen (Farbe Blau, spielt mit Technik) und Mädchen (Farbe Rosa, spielt mit Puppen) dargestellt werden. 5. … die vermittelt, dass (altersbedingte) Hautveränderungen, Übergewicht, Körperhaare etc. zwingend veränderungsbedürftig sind, um ein glückliches Leben zu führen. 6. … die vermittelt, dass die dekorative Frau ebenso käuflich ist wie das Produkt. 7. … die vermittelt, dass die mit einem Produkt dargestellte Frau sexuell erregt oder für den männlichen Betrachter ein Lustobjekt ist (z. B. Werbung für Unterwäsche, Sport-, Badekleidung). 8. … für sexuelle Dienstleistungen. 9. … die Kinder, insbesondere Mädchen, in sexualisierten Posen und/oder aufreizender Kleidung inszeniert. 10. … die vermittelt, dass der Einsatz von verbaler bzw. körperlicher Gewalt insbesondere gegenüber Frauen legitim und/oder zumindest tolerierbar ist.
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